Predigten

Abendmahlsgottesdienst zur Konfirmation 2018

Abendmahlsansprache an den Konfirmationen 2018 zu
Matthäus 15, 32 ff - Die Speisung der Viertausend
Prediger: Pfr. Andreas Friede-Majewski

 


32 Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach:
Das Volk jammert mich; denn sie harren nun schon
drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen;
und ich will sie nicht hungrig gehen lassen, damit
sie nicht verschmachten auf dem Wege.

33 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Woher
sollen wir soviel Brot nehmen in der Wüste,
um eine so große Menge zu sättigen?

34 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie viele
Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben
und ein paar Fische.

35 Und er ließ das Volk sich auf die Erde lagern

36 und nahm die sieben Brote und die Fische,
dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern,
und die Jünger gaben sie dem Volk.

37 Und sie aßen alle und wurden satt.

 

Liebe Familien, liebe Konfis,

lasst uns vor dem Abendmahl kurz darüber nachdenken, was wir da eigentlich tun. Ihr Konfis habt euch auf der Freizeit einen Tag mit dem Abendmahl beschäftigt. Für eure Familien liegt die Beschäftigung und Teilnahme an einem Abendmahl vielleicht weit zurück. Bei ihrer eigenen Konfirmation? Das wäre möglich.
Zum Nachdenken soll uns der eben gelesene Bericht aus dem Matthäus Evangelium helfen.
Natürlich können wir uns an der recht oberflächlichen Frage aufhängen, wie Jesus das denn mit dem Brot und den Fischen gedreht hat. Dann wird der Kern der Geschichte zum magischen Trick und verfehlt vollkommen, was Jesus wollte. Das eigentliche Wunder besteht darin, dass einer, der selbst fast nichts hat, dieses Wenige teilt und nicht meint, er müsse alles für sich behalten, um satt zu werden. Und dieses Wunder ist der rote Faden, der sich durch Jesu Leben zieht: Er teilt sein Leben und erlebt, dass er selbst und die, die sich ihm anschließen, nicht ärmer, sondern in einem tieferen Sinne immer reicher dadurch werden. Das ist das Geheimnis dieser Geschichte und des Lebens Jesu überhaupt.

Die, die jetzt vielleicht neben euch sitzen, haben in einem wesentlichen Bereich ihres Lebens dieses Geheimnis gelebt.
Eure Eltern haben ihr Leben mit euch geteilt. Ist doch normal, werdet ihr denken. Das ist es aber nicht mehr. Die, die dazu bereit sind, ihr Leben mit Kindern zu teilen, werden immer weniger.
Leben teilen hieß für eure Mütter: Am Anfang so ein Bauch, vor jeder neuen Ultraschalluntersuchung Bammel, Stunden zwischen Leben und Tod mit unvorstellbaren Schmerzen, als ihr geboren wurdet, durchwachte Nächte, windeln, wickeln, waschen, stillen, rund um die Uhr für euch da sein. Für viele Väter, nach anstrengendem Arbeitstag nicht relaxen, sondern mit anpacken, mit euch spielen, am Wochenende Familieneinkauf, Ausflüge, Vorlesen. Und das war nur der Anfang, Was dann kam, was heute noch an gemeinsamer Zeit, an Sorgen und Mühen für euch, geschieht, wisst ihr selbst vielleicht am besten.
Ganz schön arm dran waren und sind sie, oder, die sich auf so was einlassen?

Wenn ihr sie fragt, fangen sie vielleicht an, zu erzählen. Was für ein wunderbarer Moment es ist, so ein kleines Bündel Leben im Arm zu haben, ein bisschen Mama, ein bisschen Papa und ganz viel Wunder. Welches Geschenk es ist, aus der Nähe zu sehen, wie ein Kind sich entwickelt, das erste Lachen zu erleben, das Greifen, Krabbeln, die ersten Schritte. Wie schön es ist, ein Gegenüber zu haben, mit eigenem Willen und eigener Begabung, ja klar, oft auch anstrengend, aber trotzdem eine Bereicherung des Lebens. Was ist denn ihr größter Reichtum, ihr Schatz, für den sie alles auf- und weggeben würden, wenn nicht ihr?
Wenn wir heute mit euch das Brot teilen, laden wir euch ein, dieses Geheimnis des Lebens zu feiern: Ich teile mein Leben mit anderen Menschen und werde reich beschenkt dadurch.
Das Brot, das Jesus den Freunden und Freundinnen gibt, stand für seine Hingabe, für sein Leben, das er mit ihnen und uns teilte – sehr radikal teilte.
Nun würde die Welt, in die ihr hineinwachst, ja ganz anders aussehen, wenn uns, den Erwachsenen, das Teilen so leichtfallen würde und so selbstverständlich wäre, wie Jesus. Wenn uns das nicht nur in der Familie gelingen würde mit dem Teilen, sondern auch sonst. Sicher habt ihr längst entdeckt, dass Eltern, Lehrer, Pfarrer, Erwachsene, so selbstlos und vorbildlich, wie ihr vielleicht als Kinder dachtet, nicht sind. Sicher hat es manchmal weh getan, Versagen und Fehler der Eltern auf einmal wahr zu nehmen. Dass wir als Eltern, Großeltern, Lehrer, Pfarrer, auch egoistisch sind, unser Ding durchziehen, launisch, manchmal unbeherrscht und unberechenbar, nicht teilen, sondern lieber raffen, eitel, nach Ansehen und Macht schielend, es nicht so genau mit der Wahrheit nehmen. Nein, Erwachsene sind keine Heiligen, auch nicht als Eltern. Und an dieser Stelle kommt das zweite Geheimnis unseres Glaubens zur Sprache. Unser Leben kann nur gelingen, wo wir versagen dürfen, Fehler machen können und es dann einen Neuanfang, Verzeihen und Versöhnung gibt. Dass wir sagen können: Es tut mir leid und wissen, mehr müssen wir nicht sagen. Wenn wir den Wein und den Saft miteinander teilen, erinnern wir uns und euch an diese befreiende Botschaft Jesu, dass unser Gott ein verzeihender, barmherziger Gott ist. Einer, der uns dazu bringen will, einander auch zu verzeihen und miteinander barmherzig zu sein.
Der Kelch, den Jesus seinen Jüngern und uns reicht, war das Zeichen des Neuanfangs und der Vergebung: Schuld und Scheitern dürfen vergehen.
Als Fest, das uns an die zwei Geheimnisse Jesu erinnert, wie unser Leben gelingen kann, lasst uns das Abendmahl jetzt feiern: Das Fest geteilten Lebens und der Vergebung.

Amen