Predigten

Konfirmation 2018

Konfirmationspredigt 2018
Hillsong United Oceans
Prediger: Pfr. Andreas Friede-Majewski


Du rufst mich raus auf's Wasser
ins große Unbekannte
Wo Füße versinken
Dort find ich dich in dem Geheimnis
in des Ozeans Tiefe
Wird der Glaube mich tragen

Ich werde deinen Namen anrufen
und meine Augen über den Wellen halten
Wenn das Meer tobt
wird meine Seele
in deiner Umarmung ausruhn
Denn ich bin dein
Und du bist mein

Deine Gnade strömt am stärksten
im tiefen Wasser
Deine starke Hand wird mich begleiten
wo Füße versinken und Angst mich umringt
versagst du nicht und bist längst da

Ich werde deinen Namen anrufen
und meine Augen über den Wellen halten
Wenn das Meer tobt
wird meine Seele
in deiner Umarmung ausruhn
Denn ich bin dein
Und du bist mein

Geist, leite mich dort,
wo mein Vertrauen grenzenlos sein muss
Lass mich übers Wasser laufen
Wohin auch immer du mich rufst
Bring mich in die Tiefe
wohin die Füße niemals gehn
Dann wird mein Glaube wachsen
wenn mein Retter
zu mir kommt

Ich werde deinen Namen anrufen
und meine Augen über den Wellen halten
Wenn das Meer tobt
wird meine Seele
in deiner Umarmung ausruhn
Denn ich bin dein
Und du bist mein

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

das Lied Oceans lief auf der Freizeit eines Tages vor unserer Morgenandacht. Danach kamen einige auf mich zu und fragten, wie das Lied heiße und von wem es sei. Oceans, von Hillsong United war die Antwort, Von den Liedern, die auf der Freizeit liefen, war das der absolute Hit. Viele von euch haben es sich runtergeladen. Diese Begeisterung teilt ihr mit weit über 100 Millionen Menschen.
Aber wer hat sich den Text mal übersetzt? Mehr verstanden, als dass es da um was Religiöses geht? Um irgendeinen Savior...Ich bin dein und du bist mein werden viele hören und dabei an ihre neueste Liebe denken...
Nun, dieses Lied greift die religiösen Bilder der biblischen Erzählung auf, die wir als Lesung gehört haben. Es sind für meinen Glauben sehr wichtige Motive, die ich euch heute mit auf den Weg geben will.

„Du rufst mich raus auf's weite Wasser, ins große Unbekannt, wo Füße versinken."
Das ist es. Follower Jesu sein heißt, diesen Ruf zu hören. So wie seine Follower damals. Aufbrechen, das sichere Ufer verlassen und sich auf die Fahrt ins Unbekannte zu geben. Treffender kann ich Pubertät und Erwachsenwerden nicht beschreiben. Raus aufs weite Wasser, wo Füße nicht mehr sicher stehn. Heute stößt euer Lebensboot von den sicheren Ufern der Kindheit ab. Irgendwann bleiben Eltern, Geschwister, die Freunde der Kindheit zurück – so, wie Jesus zurück am Ufer bleibt, als die Jünger hinausfahren.
Ich finde es großartig von Hillsong United, dass sie in ihrem Lied Jesus mit der Weite des Meeres verbinden, der uns hinausruft in die Weite, in die Freiheit – die natürlich auch immer Unsicherheit bedeuten. Es gibt kein Wagnis, kein Abenteuer ohne Risiko. In der Weite der Freiheit können Füße versinken. Nicht nur Füße..
Wir fürchten als Eltern diesen Aufbruch, fürchten die Unsicherheit, wollen euch am liebsten halten. Aber Jesus, der Herr ruft euch hinaus. Raus aus der Kuschelecke, raus aus dem Vertrauten, aber auch immer gleichen. Christen können und dürfen in ihrem Leben etwas wagen.
Hört diesen Ruf zum Aufbruch. In vielen eurer Jesusbekenntnisse kam das Bild von Jesus als dem Lebensbegleiter, dem Beschützer, dem Übervater. Manchmal dachte ich: Hinter so viel Wunsch nach Begleitung, Schutz und Hilfe verbirgt sich auch viel Angst und Unsicherheit. Um so wichtiger ist dieser Ruf zum Aufbruch in die Weite. Traut euch was, geht Wagnisse ein. Es ist wunderbar, jung zu sein und aufbrechen zu können, Neues zu wagen und Neues zu schaffen.
Wir brauchen euren Aufbruch. Als Gemeinde, als Kirche, als Land. Wir brauchen Aufbruch zur Erneuerung der Gemeinden, aber auch zur Erneuerung unserer Demokratie und um die Konflikte und Probleme dieser Zeit zu lösen. Das schafft nicht mehr die Generation eurer Eltern. Diese Herausforderung ruft euch für die kommenden 25 Jahre.

„Dort find ich dich in dem Geheimnis in des Ozeans Tiefe wird der Glaube mich tragen."
Seht, die Follower Jesu damals fahren bei gutem Wetter und glattem See raus. Jesus bleibt zurück. So ist das fast immer. Bei gutem Wetter und glattem See des Lebens ist Jesus weit weg für die meisten Menschen. Man macht sein Ding – wozu braucht es Gott und Jesus, bitte schön. Läuft doch. Aber dann zieht auf dem See ein Sturm auf. Dieser See ist ein scheinbar harmloses Binnengewässer. Aber er ist von Bergen umgeben und wenn von allen Seiten die Fallwinde auf den See einschlagen, wird er zum schäumenden Hexenkessel. Die Follower sind erfahrene Fischer, sie kennen den See. Aber sie geraten dennoch in Angst und Panik, fürchten sich, zu kentern und zu ertrinken.
Das ist etwas, was wir als Ältere euch voraushaben. Hoffentlich. Dass wir schon erlebt haben, wie sich der harmlose See des Lebens, auf dem wir mit unserem Boot unterwegs sind, durch Lebensstürme aufgewühlt wird, die uns an den Rand der Verzweiflung bringen. Wenn Lebensträume und Hoffnungen scheitern, wenn Liebe sich verwandelt und zerbricht, wenn eine Diagnose das Leben grundsätzlich infrage stellt.

„Dort find ich dich in dem Geheimnis in des Ozeans Tiefe wird der Glaube mich tragen." Von dieser Erfahrung berichtet Matthäus. Mitten in dem äußeren und inneren Chaos des Sturms ist Jesus da. Für mich geht es hier nicht darum, dass Jesus auf dem Wasser laufen konnte. Es geht um die tiefe innere Erfahrung, dass er uns in den Lebensstürmen begegnet, uns aus dem Herzen des Sturms entgegenkommt. Dass wir nach ihm rufen, schreien dürfen und er uns hört:

"Ich werde deinen Namen anrufen und meine Augen über den Wellen halten!"
Die Follower damals haben nicht mit ihm gerechnet. Als er kommt, schreien sie vor Entsetzen auf und denken, er sei ein Geist. Bei Seeleuten gibt es die Legende, dass man im Sturm kurz vor dem Kentern die Geister der Ertrunkenen sieht. Sein Erscheinen steigert also bei den Followern noch die Angst, denn sie sind sich jetzt des eigenen Untergangs sicher. Bis er sie anspricht. „Seid getrost, fürchtet euch nicht, ich bin's."
Die Angst und das Entsetzen der Follower Jesu sprechen Bände. Die Bibel berichtet immer wieder von solchen Reaktionen, wo Menschen Gott begegnen. Wenn sie entdecken: Hinter dem Glauben steckt mehr als schöne Worte und leere Versprechen. ER ist wirklich da. Es geschieht das, womit wir nie wirklich gerechnet haben. Auch wenn wir ihn längst vergessen haben – er hat uns nicht vergessen. Es gibt keine Vorwürfe, kein Aufrechnen von Gottesdienststrichen, nichts. Nur „Sei getrost, fürchte dich nicht, ich bin's!"

„Wenn das Meer tobt wird meine Seele in deiner Umarmung ausruhn
Denn ich bin dein. Und du bist mein"
Was verändert diese Erfahrung? Schweigen Sturm und Wind, legen sich die Wellen? Wird alles gut? Nein: all das nicht. Damals nicht, heute nicht. Aber dennoch verändert sich alles. Wenn wir die Erfahrung machen, dass er wirklich da ist. Dann haben Follower Jesu auf einmal das Gefühl, mitten im Sturm festen Boden unter den Füßen zu haben.
Wie Follower Petrus. Er hört den Ruf, raus aufs weite Wasser zu kommen, mitten im Sturm und antwortet:

„Geist, leite mich dort,
wo mein Vertrauen grenzenlos sein muss
Lass mich übers Wasser laufen
Wohin auch immer du mich rufst
Bring mich in die Tiefe in die Füße niemals gehn."

Er steigt aus dem Boot und geht Jesus entgegen.
Das ist der Wahnsinn des Glaubens. Es gibt ein Vertrauen, das uns über Wasser laufen lässt. Nicht im wörtlichen Sinne, aber im übertragenen Sinne. Für mich ist ein Mensch, der mitten im Sturm über Wasser gegangen ist, der Jesus Follower, nach dem die Straße an unserem Kindergarten benannt ist. Ein Pfarrer, der sich auf Jesu Ruf aufs weite Meer eingelassen hat. Er hat sich darauf entschieden, zu töten. Er wollte dem Terror der Nazidiktatur trotzen und hat sich an dem Attentat auf Hitler beteiligt. Wohl wissend, auf welchen Sturm er sich einlässt. Er wurde verhaftet und hat aus der Haft Texte, Gedichte und Lieder geschrieben, die heute noch Follower Jesu in ihren Stürmen übers Wasser laufen lassen.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag."
Das schreibt er seiner Verlobten im Angesicht des sicheren Todes. Da läuft einer im Sturm übers Wasser auf Jesus zu.
Das ist die eine Seite. Aber es gibt auch die andere Seite. Bei Follower Petrus und bei Follower Dietrich. Sie schauen statt auf Jesus auf den Sturm und die Wellen – erschrecken und versinken in der Tiefe der Angst. Selbst die, die über Wasser gelaufen sind, versinken von Zeit zu Zeit in den Wellen der Angst. Ja, das dürft auch ihr. Auch diese Erfahrung, in der Angst zu versinken, gehört zum Leben in Freiheit. Wer sie vermeiden will und Zuhause bleibt, ist schon so gut wie tot. „Wo Füße versinken und Angst mich umringt versagst du nicht und bist längst da"
Als Follower Petrus absäuft, hält ihn die ausgestreckte Hand Jesu über Wasser.
Als Dietrich Bonhoeffer, der bereits in die Freiheit entlassen war, von der Gestapo erneut verhaftet wird, weil Hitler seine Hinrichtung befohlen hat, sagt er:
„Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens." Er spürt die Hand, die ihn auch jetzt hält.

Geist, leite mich dort,
wo mein Vertrauen grenzenlos sein muss
Lass mich übers Wasser laufen
Wohin auch immer du mich rufst
Bring mich in die Tiefe
in die Füße niemals gehn
Dann wird mein Glaube wachsen
wenn mein Retter
zu mir kommt

Das waren jetzt Momente großer Ernsthaftigkeit mitten im Fest. Ich mute euch das zu, erinnere mit Dietrich Bonhoeffer an einen der ganz großen Follower Jesu, weil der Glaube von Vorbildern lebt. Von denen, die den Ruf aufs weite Wasser hörten, ihm gefolgt sind und uns Beispiel sind, dass der Glaube im tiefen Meer trägt. Ihr tretet als Follower Jesu in die Fußstapfen großer Männer und Frauen, auf die ihr und wir stolz sein können. Wir freuen uns sehr, dass ihr bis hierher Jesu Ruf gefolgt seid und heute Euer Bekenntnis als Follower ablegt und zu dieser Gemeinschaft dazu kommt.

Er ruft dich raus auf's weite Wasser
ins große Unbekannte
Wo Füße versinken
Dort findest du ihn in dem Geheimnis
in des Ozeans Tiefe
wird der Glaube dich tragen

Amen