Evangelische Kirchengemeinde Wiesbaden-Bierstadt

Aussen ev Kirche 1708

Herzlich Willkommen auf unserer Homepage.
Weitere Informationen finden Sie unter: "Aktuelles"

Link zum Gottesdienst - Feiern Sie mit uns

Gedanken zum Tag


Dienstag, 7. April 2020

Der HERR, der König Israels, ist bei dir, dass du dich vor keinem Unheil mehr fürchten musst. Zefanja 3,15

Jesus sprach zu den Jüngern: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? Markus 4,40

Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser der Homepage,

„Warum seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?" Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Ich fühle mich von dieser Frage Jesu unmittelbar angesprochen. Ich bin ein sehr furchtsamer Mensch. Das ist in der aktuellen Krise nicht gut. Weil es viel zu viele Nachrichten gibt, die bedrohlich sind, die Furcht auslösen können. Weil wir gerade in sehr stürmischer See unser Lebensboot über Wasser halten, gegen Sturm und Wellen ankämpfen. Wie die Jünger damals. Jesus hatte den ganzen Tag gepredigt, sich den Menschen zugewandt, geheilt und heilsam gewirkt und war dann erschöpft ins Boot gesunken, das ihn und die Jünger zum anderen Seeufer bringen sollte. Wie so oft in den Abendstunden kam auf dem See Genezareth ein Sturm auf und die sonst glatte Seeoberfläche wurde zum brodelnden Kessel. Wenn ringsum von den steilen Wänden um den See die Fallwinde herabstürmen, wird der See auch für erfahrene Fischer wie die Jünger zum lebensbedrohlichen Gewässer. Als sie sich nicht mehr zu helfen wissen, wecken sie Jesus, machen ihm Vorwürfe: Wir gehen unter, und die schläfst!" Er steht auf, bedroht Sturm und Wellen und so plötzlich, wie der Sturm kam, legt er sich wieder. Dann fällt dieser Satz.
Ich entdecke viele Parallelen. Unser Lebensboot hier in Mitteleuropa war auf sehr ruhigen Gewässern unterwegs. Bis die Pandemie kam und wie ein Orkan über uns hinwegfegte und immer noch fegt. In mir – und ich werde da nicht der einzige sein – löst dieser Virus einen Sturm von Gefühlen aus und die Furcht ist nicht die kleinste von ihnen..."Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?" Ja, das muss ich mich fragen lassen, wenn die Furcht kommt. Wo ist das Vertrauen, dass Jesus in unserem Lebensboot ist und bleibt? Ich habe bisher wenig Übung darin, ihm mein Leben anzuvertrauen. Es gab so gut wie keine Lebensstürme, die das Gefühl, die Kontrolle über mein Lebensboot zu verlieren, ausgelöst hätten. Kein Grund für besonders starke Furcht. Und es ist etwas Anderes, über Glauben und Vertrauen zu reden und zu predigen, oder existentiell so herausgefordert zu sein, wie wir es gerade sind und darin das Vertrauen in Jesus zu bewahren. Ohne sich zu fragen: Schläft der eigentlich?
Vertrauen, auch Gottvertrauen, ist immer ein Lernprozess. Manchmal ein schmerzlicher. Herausfordernder. Der heutige Lehrtext schenkt uns ein starkes Seelenbild des Vertrauens. Der schlafende Jesus in meinem Lebensboot. Ich bin nicht allein in dieser Krise. Ich darf vertrauen lernen.
Der in vielen Krisen und Katastrophen im Vertrauen geprüfte und gehärtete Paul Gerhard hat immer wieder dazu sehr treffende Lieder geschrieben:

Nun weiß und glaub ich feste, ich rühms auch ohne Scheu,
dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei
und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh
und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh. EG 351,2

Seien Sie Gott befohlen – bleiben sie behütet,
ob sie gesund bleiben oder erkranken!

Ihr Pfarrer Andreas Friede-Majewski